Heilkräuter und Kräutertees

Und wie bereitet man einen Kräutertee eigentlich richtig zu? Hier das Kleine 1x1 der Heilpflanzen, mit Sorgfalt zusammengetragen, mit Liebe geschrieben und mit Genuss gelesen.

Eine besondere Gruppe der Pflanzen bilden die so genannten Heil- oder Arzneipflanzen, die entweder als Ganzes oder zu Teilen für die Herstellung von Heilmitteln verwendet werden.

Durch Sorgfalt bei Anbau, Pflückung, Trocknung und Lagerung erreicht man eine gute Qualität und Haltbarkeit der wertvollen Inhaltsstoffe. Diese werden in Wirk-, Begleit- und Ballaststoffe unterteilt.


Wirkstoffe sind Träger der Heilkraft, Begleitstoffe haben selbst eine geringe Heilkraft, sind aber wesentliche Unterstützer der Wirkstoffe und Ballaststoffe sind für den Heilprozess generell bedeutungslos oder setzen diesen sogar herab. Meist werden Heilpflanzen getrocknet und einzeln oder in Mischungen als Tee zubereitet, um die Wirksamkeit der Wirk- und Begleitstoffe zu optimieren.

Auch Gewürzpflanzen werden zu den Heilpflanzen gezählt, obwohl sie fast nur wegen ihres Aromas Verwendung finden. Allerdings besitzen auch sie durch die Anregung der Magensaftsekretion eine arzneiliche Wirkung.


Herstellung von Heilkräutern
Die Heilkraft einer Pflanze hängt ab von:

  • Umweltbedingungen während dem Wachstum
  • Zeitpunkt der Pflückung
  • Trocknungsmethode
  • Lagerung


Sammel-1x1 von Heilpflanzen
Grundsätzlich darf Jedermann Pflanzen sammeln. Die einzige Voraussetzung bildet die rechtliche  Zustimmung des Eigentümers, auf dessen Grund und Boden sich die Pflanzen befinden. Auch sollte man sich bewusst sein, dass manche Pflanzen ganz oder teilweise (d.h. nur unterirdische Teile) unter Naturschutz stehen und dass man nur Pflanzen sammeln sollte, die man korrekt identifizieren kann. Besondere Vorsicht ist bei giftigen Pflanzen zu wahren!

Die Wirkstoffe einer Pflanze sind nie gleichmäßig verteilt. Sie hängen von Umweltbedingungen, Standort, Vegetationsperiode und sogar der Tageszeit ab! Man sollte die Pflanze oder ihre Teile immer dann ernten, wenn ihr Wirkstoffgehalt am höchsten ist. Das heißt: oberirdische Teile, genannt ‚Kraut‘, werden zum Vegetationshöhepunkt und unterirdische Teile während der Vegetationsruhe geerntet.

Oberirdischen Pflanzenteile werden meist zu Beginn oder kurz vor der Blütezeit geerntet. Dabei ist es wichtig, nicht alles zu ernten, sondern der Pflanze Rückstände zur Regeneration zu lassen. Blüten werden noch vor ihrer vollständigen Öffnung geerntet, da die geöffneten Blüten leicht zerfallen, Früchte werden in der Vollreife gepflückt und Samen aus den frischen oder getrockneten Früchten entnommen. Rinde wird generell bei feuchtem Wetter geerntet, sodass sie sich leichter abschälen lässt und man das Saftgewebe des Baums oder Strauchs nicht verletzt.

Die unterirdischen Pflanzenteile, bestehend aus Wurzeln und Wurzelstöcke sowie Knollen und Zwiebeln, werden meist während der Vegetationsruhe geerntet, also wenn die oberirdischen Pflanzenteile zu welken beginnen.

Trocknung
Die Trocknung, also Haltbarmachung der Pflanzen, sollte so schnell wie möglich erfolgen, um die Qualität zu erhalten und das Zersetzen und Verändern der Inhaltsstoffe zu unterbinden. Man unterscheidet zwischen künstlicher Trocknung (z. B. Schnelltrockenanlagen), die meist bei großen Ernte-Erträgen verwendet wird, und natürlicher Trocknung (z.B. in Trockenschuppen), wobei oft eine Kombination beider Methoden optimal ist.

Vor dem Trocknen muss die Ernte belesen werden und besonders dicke Stücke nach den Vorschriften des offiziellen Arzneibuches (Pharmakopöe) zerkleinert werden. Auf keinen Fall sollten verschiedene Pflanzenarten oder–teile gemeinsam getrocknet werden. Als Unterlage oder spätere Verpackung sollte keinesfalls bedrucktes Papier verwendet werden, da sich die darin enthaltenen Bleiverbindungen gesundheitsschädlich auswirken können.

Die Trocknungsdauer hängt von Luft, Temperatur und dem Trockengut selbst ab. Als Faustregel wird bei 30-40°C getrocknet, wobei bei leicht verflüchtigenden Inhaltsstoffen zum Beispiel die Temperatur höher liegen kann. Besonders ist auf eine schnelle Trocknung zu achten, um Schimmel und Verfärbungen zu verhindern. Die Pflanze ist dann richtig trocken, wenn sie leicht bricht, Blätter sollten rascheln und Früchte hart sein.

Obwohl es dieses zu vermeiden gilt, verlieren oder verändern Pflanzen während des Trocknungsprozesses teilweise Geruch, Aussehen, Farbe und Zusammensetzung der Inhaltsstoffe. Besonders Blüten sind sehr sorgsam und schnell zu trocknen, da sie bei Farbveränderungen wertlos werden.
Aufbewahrung und Lagerung

Die Aufbewahrung und Lagerung erfolgt streng getrennt nach Art, Herkunft und Erntejahr in gut verschlossenen und unbeschädigten Papiersäcken oder mit Papier ausgelegten Pappschachteln. Lagerräume müssen trocken, kühl, gut belüftet, frostfrei und vor allem lichtgeschützt sein.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Arzneipflanzen umso wirksamer und heilkräftiger sind, je sorgfältiger sie während Pflückung, Trocknung und Lagerung gehandhabt wurden.

 
Anwendung von Heilpflanzen
Die Heilwirkung von Heilpflanzen hängt nicht nur von Eigenschaften und Qualität, sondern auch Art und Weise der Verwendung ab. Sie können frisch oder getrocknet, innerlich oder äußerlich, unverarbeitet oder in bestimmter Weise zubereitet und auch als Einzelkräuter, Gemische oder in Verbindung mit anderen Medikamenten verwendet werden.

Generell gilt, dass Frischpflanzen am heilkräftigsten sind. Allerdings könnten die Heilpflanzen so nur zu bestimmten Jahreszeiten konsumiert werden, weshalb man sie trocknet. Ihre Verwendung richtet sich nach der Wirkung auf den gesunden oder kranken Organismus, wobei zu beachten ist, dass manche Pflanzen nur einen einzigen, andere mehrere Wirkstoffe besitzen.

Die einfachste und gebräuchlichste Verwendungsart von Heilkräutern ist die schon seit dem Altertum bekannte Zubereitung von Kräutertee. Getrocknete Arzneipflanzen werden meist in Teemischungen kombiniert, wobei bei der Zusammenstellung tiefgehende Fachkenntnisse unerlässlich sind.

Jedes Teegemisch enthält einen oder mehrere Hauptinhaltsstoffe und in geringeren Mengen so genannte Unterstützungsstoffe, die die Heilkraft noch verstärken. Zusätzlich können Stoffe beigemengt werden, die zwar die Heilkraft nicht verbessern, aber Geschmack, Geruch, Farbe oder Aussehen des Kräutertees verbessern.


Zubereitung von Kräutertees
Bei der Zubereitung ist unbedingt auf die Eigenschaften der im Tee enthaltenen Heilkräuter zu achten! Manche Wirkstoffe wie ätherische Öle verflüchtigen sich bei höheren Temperaturen, andere wie Schleime und Stärke zersetzen sich bei langem Kochen und wiederum andere, wie z.B. Gerbstoffe, entfalten ihre Wirksamkeit erst bei langem Kochen.

Im Allgemeinen wird Tee als Abkochung oder Aufguss, aber auch durch Mazeration zubereitet.

Abkochungen stellt man aus unterirdischen und härteren oberirdischen Pflanzenteilen wie Rinde, Holz, Samen und Früchte zu, aber auch aus Kräutern mit sich nicht verflüchtigenden und langsam löslichen Inhaltsstoffen her. Man lässt sie je nach Löslichkeit der Inhaltsstoffe 5-30 Minuten in Wasser köcheln und seiht dann ab.
Aufgüsse werden meist aus weichen Pflanzenteilen (Kräuter, Blätter, Blüten) zubereitet. Da sich deren Inhaltsstoffe beim Kochen leicht zersetzen oder verflüchtigen, werden sie zunächst leicht durchfeuchtet, dann mit siedendem Wasser übergossen. Schließlich lässt man sie 5-15 Minuten ziehen bevor man abseiht.
Die Mazeration (Kaltansatz) findet bei Pflanzen Verwendung, deren Hauptwirkstoffe Schleime sind. Beim Mazerieren lässt man diese bei Zimmertemperatur (15-25°C) über mehrere Stunden oder sogar Tage ziehen.

Um die Wirkstoffe einzelner Bestandteile von Teemischungen optimal zu nutzen, kombiniert man die oben beschriebenen Zubereitungsmethoden. So lässt man manche Mischungen beispielsweise zunächst 30 Minuten mit der halben Wassermenge bei Zimmertemperatur ziehen bevor man sie dann mit der restlichen Menge siedendem Wasser übergießt und wiederum ziehen lässt.

Anzumerken ist außerdem, dass man Kräutermischungen vor der Zubereitung gut schütteln sollte, damit sich schwere und leichtere Pflanzenteile gleichmäßig verteilen.

Weiterhin ist die Berührung der Heilpflanzen mit Eisen oder anderen Metallen zu vermeiden, da dies die Zersetzung der Inhaltsstoffe bewirken kann. Generell sollte der Tee immer abgedeckt sein, um zu verhindern, dass sie die Wirkstoffe verflüchtigen.

Als Faustregel verwendet man einen gehäuften Teelöffel der trockenen Pflanzensubstanz pro Tasse (150ml), wobei die Menge bei Kindern auf die Hälfte oder sogar ein Drittel (je nach Arztanweisung) reduziert werden sollte.

Kräutertees zu arzneilichen Zwecken trinkt man, wenn nicht anders empfohlen, heiß oder warm, meist ungesüßt und je nach Krankheit und Art des Tees einmal täglich auf nüchternen Magen oder auch mehrmals täglich (höchstens ½ bis ¾ Liter täglich).

Man beachte, dass Kräutertees nicht bei jedem gleich, sondern individuell wirken. Für eine merkliche Wirkung sollte der Tee über einen längeren Zeitraum konsumiert werden, solange die Krankheit anhält. Ansonsten ist Abwechslung bei der täglichen Wahl des Kräutertees ratsam.

(Quelle: L. Thurzová et al., Heilkräuter. Die Heilung aus der Natur, Aus dem Slowakischen von L. Wichs, Nebel Verlag GmbH, Erlangen/Utting, 1996)

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